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14. November 2017, 19:00 Uhr

Heute hier, morgen dort

Die beiden größeren Münchner Bauwagen-Siedlungen müssen immer wieder neue Grundstücke für ihr Zuhause suchen – das wird in der wachsenden Stadt zunehmend schwierig
Von Jessica Schober


Reisetauglich: Der Wagenplatz „Stattpark Olga“ musste in den vergangenen Jahren schon oft den Standort wechseln, zuletzt zog er nach Obersendling. (Foto: Alessandra Schellnegger)

Das Versprechen klingt verlockend: Leben, wo man will, frei und ungebunden. Ein bisschen wie Peter Lustig. Ganz so romantisch ist es dann aber doch nicht. „Wer in München einen Wagenplatz gründen will, der sollte nicht blauäugig in ein Abenteuer stolpern, sondern damit rechnen, alle paar Jahre umziehen zu müssen“, sagt Grünen-Stadtrat Herbert Danner. Die zwei größeren Münchner Wagenplätze, der „Stattpark Olga“ und der Bogenhausener Platz namens „Hin und Weg“ haben beide eine längere Geschichte mit vielen Ortswechseln und Umzügen hinter sich.

In den rund 20 Jahren, seit „Hin und Weg“ nun schon besteht, musste das Wohnprojekt mehrmals einen neuen Standort suchen. Ursprünglich auf einem Gelände an der Kirchenstraße in Haidhausen beheimatet, wo inzwischen eine Neubausiedlung mit pastellfarbenen Fassaden entstanden ist, fanden die Bewohner nach Stationen an der Isoldenstraße in Schwabing sowie der Leopoldstraße Ende 2006 schließlich in Englschalking ein Zuhause. Von dort zogen sie auf das städtische Gelände in Bogenhausen. Seit Sommer 2016 hat auch die Wohngemeinschaft von „Stattpark Olga“ eine neue befristete Heimat am Ratzingerplatz, zwischen dem Parkdeck Aidenbachstraße und der Boschetsrieder Straße. Dort stehen Zirkuswagen, Bauwagen und Wohnwagen auf einer Fläche, auf der zuweilen auch ein Zirkus gastiert. Die Olga-Aktivisten mieten freie städtische Areale zur Zwischennutzung, in den vergangenen Jahren etwa an der Aschauer Straße in Giesing und an der Tumblingerstraße am Viehhof. Weil dort ein Schulneubau anstand, mussten sie wieder weiterziehen. Im Münchner Süden gab es im zuständigen Bezirksausschuss aber auch Vorbehalte. Im Frühjahr legte die CSU dem Kommunalreferat eine Fragenliste vor. Die befristete Nutzung des Areals durch Olga sei planungsrechtlich gedeckt, teilte Kommunalreferent Axel Markwardt damals mit: Gelände, die wie die Freifläche an der Boschetsrieder Straße als Mischgebiet ausgewiesen seien, dienten dazu, Handelsbetriebe, Wirtschaftseinrichtungen, Verwaltung oder Kultur unterzubringen. Wohnungen seien ausnahmsweise zulässig.

Grünen-Stadtrat Herbert Danner, der die Wagenplätze „Olga“ und „Hin und Weg“ bei ihren Plänen unterstützt hat, sieht das Überleben von Wagenburgen aufgrund der zunehmend verdichteten Stadt bedroht. „Die Gespräche mit dem Kommunalreferat wurden von Jahr zu Jahr schwieriger.“ Auch „Hin und Weg“ habe nur eine Verlängerung des Mietvertrages für ein weiteres Jahr erhalten. Für den „Stattpark Olga“ rechnet Danner damit, dass die Wagenburg spätestens 2019 dem Neubau einer Grundschule und eines Gymnasiums weichen muss. Auch wenn ein Heim auf Rädern große Mobilität verspricht, sind die Wägen eben keine Wohnmobile, die umstandslos weggezogen werden können. „Der Umzug eines ganzen Wagenplatzes ist sehr aufwendig“, sagt Danner.

Dabei hätten Wagenplätze oft einen positiven Effekt auf die Nachbarschaft. „Viele Nachbarn in Bogenhausen finden es allein schon gut, dass in dem unbeleuchteten Grünstreifen ein bisschen Leben stattfindet“, sagt Danner. Dabei gehe es nicht um permanente Unterkünfte. „Es geht um temporäres, nicht um dauerhaftes Wohnen, das ist ja die Idee einer Wagenburg.“ Die Grundmotivation, einen neuen Wagenplatz zu gründen, könne er gut verstehen. „Es gibt Leute, die nicht in festen Gebäuden, sondern mehr draußen leben wollen und sich einen lockeren Zusammenhalt wünschen. In einer Stadt wie München sollten auch alternative Wohnformen einen Platz finden.“