München City
Dorf in der Stadt
In Ramersdorf hat „Stattpark Olga“ sich gut eingefügt
Die Bewohner der Wagensiedlung „Stattpark Olga“ haben ein neues Quartier im Schlachthofviertel

Isarvorstadt – Sie sind in den vergangenen Monaten viel durch die Stadt geradelt, an abgelegene Orte, aber auch im innerstädtischen Gebiet. Sie waren auf der Suche nach Brachflächen, einem neuen Ort zum Bleiben. Mitte April haben sie der Stadt eine Reihe von Vorschlägen gemacht. Nun ist es so weit: Die Bewohner der Wagensiedlung „Stattpark Olga“ haben ein neues Quartier im Schlachthofviertel, an der Ecke Tumblinger-/Ruppertstraße. Das Kommunalreferat hat der Gemeinschaft eine 1300 Quadratmeter Brachfläche verpachtet. Damit wird der „Stattpark Olga“ an einer deutlich zentraleren Stelle präsent sein als bisher. Derzeit leben die etwa 20 Personen inklusive Kindern in Ramersdorf. Der Umzug ist schon im Gange.

„Stattpark Olga“ ist ein seit gut fünf Jahren bestehendes alternatives Wohnprojekt. Die Mitglieder haben sich bewusst dagegen entschieden, in einem Haus oder einer Wohnung zu leben. Stattdessen setzen sie mit den mobilen Unterkünften auf Unabhängigkeit und vor allem auch auf Gemeinsamkeit. „Unser Projekt ist das Gegenteil der Vereinsamung, die man in Großstädten heutzutage beobachten kann“, schreiben sie auf ihrer Homepage. Man organisiere das Zusammenleben gemeinsam, „Eltern und Nicht-Eltern“ teilten sich etwa die Betreuungszeit für die Kinder. Für ein Gespräch waren die Mitglieder am Dienstag nicht zu erreichen. Neben den individuellen Wohnwagen oder ausgebauten Lkws gibt es bei Olga auch eine Art Wohnzimmerwagen und einen gemeinsamen Sanitärwagen. Seit April 2011 hat die Gemeinschaft ihren Wagenplatz an der Aschauer Straße aufgeschlagen. Diese Genehmigung verlängerte die Stadt nicht mehr, weil dort Gewerbe angesiedelt werden soll. Auf der Vorschlagsliste von Olga habe auch das Viehhofgelände gestanden, berichtet das Kommunalreferat. Das habe man zwar nicht zur Verfügung stellen können, dafür aber das Grundstück gegenüber, wo früher der Südbahnhof war.

In der bisherigen Nachbarschaft in Ramersdorf hat „Stattpark Olga“ sich gut eingefügt. Anfangs von einzelnen Bezirkspolitikern befürchtete Probleme sind ausgeblieben. Offenbar hat das Projekt deshalb auch das Wohlwollen der Stadtverwaltung – und inzwischen auch des Bezirksausschusses Ludwigsvorstadt-Isarvorstadt. Am Montag dieser Woche stellten sich die Olga-Leute dort vor. „Wir freuen uns auf dieses Experiment mit einer etwas unsteteren Lebensform und mehr nachbarschaftlichem Leben“, sagt Beate Bidjanbeg (SPD), die Vorsitzende des Unterausschusses Kultur, Jugend und Soziales. „Mir kommt das vor wie ein kleines Dorf in der Stadt.“ Die Olga-Leute beschrieben auch die geplanten öffentlichen Veranstaltungen: von Erzählabenden über Konzerte bis zur gemeinsamen Fahrradwerkstatt. Man wolle „Zweifel beseitigen und die Menschen dazu bewegen, dass sie uns als Teil des Stadtbildes akzeptieren und unsere Sozial-​ und Kulturarbeit schätzen“, heißt es in der Selbstbeschreibung. Diesem Ziel dürfte Olga mit dem neuen Standort und der dadurch viel höheren Sichtbarkeit näher kommen.

Eine Dauerlösung ist das allerdings auch nicht. Auf dem Grundstück wird die Stadt ein Berufsschulzentrum und ein Kulturzentrum für die Bezirke Ludwigsvorstadt-Isarvorstadt und Sendling bauen. Deshalb ist der Pachtvertrag bis Ende 2015 befristet. Die Suche wird also bald weitergehen müssen. Sebastian Krass