„Du machst die Tür auf, schon bist du draußen“

Der Stattpark Olga ist Münchens einzige Wagenkolonie. Die Bewohner schätzen die Freiheit ihrer mobilen Siedlung

„Vorsicht, spielende Kinder und Hühner“ steht auf einem Schild am Bauzaun nahe dem Eingang zum Stattpark Olga – gleich neben dem blauen Bauwagen der „Großstadtsurfer“. Wahrscheinlich würde niemand auf die Idee kommen, auf das Gelände mit mehr als fünf Stundenkilometern einzufahren – es ist eng. Überall stehen Lieferwagen, Bauwagen, ein Wüstenbus, dort ein Anhänger, ein Zirkuswagen, dazwischen viele Fahrräder, geschützt unter Planendächern. An diesem Tag hatten die Stattpark-Bewohner Waschtag, T-Shirts und Jeans flattern im Wind. Die Hühner laufen dazwischen, und ein kleines Mädchen, das sämtliche Kinderräder durchprobiert.

Zu den Olgarianern gehören mehr als 20 Männer und Frauen: Familien, Studenten, Künstler, Selbständige. Jeder hat seinen eigenen Wohnwagen oder ausgebauten Lkw, für alle gibt es Werkstatt- und Gemeinschaftswagen und ein sporadisch geöffnetes Café. Die Olga-Bewohner schätzen die Freiheit ihrer mobilen Siedlung. Sie seien unabhängig vom Vermieter, sagen sie. Ihre Hühner könnten dort auch wohnen. Nur ein kleiner Schritt, und man könne Wind und Wetter spüren. „Du machst die Tür auf, schon bist du draußen.“ Sie lebten in einer starken Gemeinschaft, auch unabhängig von viel Besitz. Für einen Umzug müssten sie nur wenige Stunden packen.

Niemand hier möchte wieder zurück in eine Wohnung ziehen. Das wäre ein übler Rückschritt, heißt es. Sie wollen Freiräume schaffen, Dinge machen, die nichts kosten, die für andere umsonst sind. Viele seien ausgeschlossen vom schönen Leben in der Stadt, sagt eine Bewohnerin. Olga wolle einen Raum schaffen, wo das nicht so ist. Es gibt eine Radwerkstatt, donnerstags finden Konzerte, Vorträge, Lesungen und andere Aktionen im Platzcafé auf dem Gelände statt – alles umsonst, auf Spendenbasis.

Die meisten Olgarianer kennen sich noch aus Zeiten, als sie noch Wohnungsbewohner waren und darüber diskutierten, wie eine Wagenkolonie in München möglich wird. Sie besetzten erst ein Stückchen im heutigen Kreativquartier an der Schwere-Reiter-Straße, vor vier Jahren überließ ihnen die Stadt ein Gelände an der Aschauer Straße zur Zwischennutzung, danach ein Areal an der Tumblingerstraße. Viele Münchner würden gerne so wohnen wie sie, sagen sie. Einige machten das, jedoch versteckt. Die Olgarianer haben andere Absichten: Sie wollen zeigen, was sie machen – sie sehen sich in einer Vorbildrolle. Auch mit den Nachbarn gab es nie Probleme.

Doch frei von Problemen sind auch die Stattpark-Bewohner nicht: Sie sind zwar nicht von einem Vermieter abhängig, aber davon, dass die Stadt ihnen ein Areal vermietet. Das ist nicht einfach in einer Stadt wie München, wo jeder Platz schnell besetzt ist. Bald läuft der Vertrag für die Tumblingerstraße aus. Olga ist wieder auf der Suche.

Von Birgit Lotze, Ludwigsvorstadt/Isarvorstadt