Wagenburg zieht ins Schlachthofviertel

Von Felix Müller

München – Ein bisschen sieht es gegenüber des Viehhofs so aus, als würde ein Zirkus aufgebaut. Doch an der Ecke Tumblinger-/ Ruppertstraße entsteht eine Wagenburg. Die Aktivisten vom „Stattpark Olga“ ziehen aus Ramersdorf an den zentralen Standort. Bis Ende 2015 dürfen die alten Bauwagen hier stehen.

© Schlaf

Hier zieht „Olga“ derzeit ein.

Es ist eine der buntesten Straßenecken der Stadt. Nebenan eine Moschee, auf der anderen Straßenseite vollgesprühte Mauern – wenn auch legal, man ist ja trotz allem in München. Jetzt wird es an der Ecke Tumblinger-/ Ruppertstraße gegenüber dem Viehhof noch ein bisschen bunter: „Olga“ zieht ein, ein alternatives Wohnprojekt, das die letzten drei Jahre an der Aschauer Straße in Ramersdorf seine Heimat hatte.

In ausgebauten, alten Lkw und Bauwagen leben die Alternativen, die Stadt unterstützte die Wagenburg schon 2011 als „Wohnform mit experimentellem Charakter“. Die Aktivisten schreiben in einer Selbstdarstellung: „Das Leben im Wagen ist eine andere Wohnkultur. Uns geht es darum, ein Gegenpol in der Welt des Konsums zu sein.“

An der Aschauer Straße sollen Gewerbeflächen entstehen, deshalb suchten die Wagenburgler schon länger nach einem neuen Grundstück. „Einige Wünsche waren einfach nicht zu erfüllen“, sagte eine Sprecherin des städtischen Kommunalreferats am Montag. „Aber an der Rupperstraße hat es vom Zeitpunkt und der Fläche einfach gepasst.“ Nach eigenen Angaben lebt auf „Olga“ ein „fester Kern von 15 Wagenbewohner/innen“. Die Stadt hat ihnen erklärt, sie bis Ende 2015 auf dem Grundstück zu dulden, das in den letzten Jahren mal als Parkplatz, mal für einen Laden, mal überhaupt nicht genutzt wurde. Offenbar hat die Stadt Bedenken aufgegeben, auch anfängliche Auflagen für den Platz in Ramersdorf wurden gestrichen. Dort sei der Umgang mit der Nachbarschaft „vollkommen unproblematisch gewesen“, heißt es im Viertel. „Die sind gar nicht aufgefallen.“

Vergangenheit: Bewohnerinnen 2010 in Neuhausen.

Im Kommunalreferat vertraut man dem bunten „Olga“-Völkchen. „Wie viele Menschen am Ende dort sind, wissen wir nicht“, heißt es. „Sie bestücken das selbst.“Anfang Oktober wollen die „Olga“-Aktivisten umgezogen sein. Dann dürfte es auf dem Platz auch spendenfinanzierte Veranstaltungen geben wie in der Vergangenheit in Ramersdorf und auch schon an der Dachauer Straße in Neuhausen, wo die Bauwagen einst parkten. Konzerte, Theater, Partys, Kinderprogramm: „Olga“ hat in den letzten Jahren immer wieder Angebote auch an die Münchner gemacht, die ganz bürgerlich in Wohnungen und Häusern wohnen.

Der zuständige Bezirksausschuss-Chef Alexander Miklosy (Rosa Liste) rechnet nicht mit Ärger mit den neuen Bewohnern. Miklosy unterstützt das Projekt. „Der soziale Nutzen ist so ungleich höher als etwa bei einem Parkplatz“, sagte er unserer Zeitung. Er geht davon aus, dass sich „Olga“ bald bei ihm vorstellt.

Ab Anfang 2016 sollen auf der Fläche ein Kulturzentrum und eine Berufsschule entstehen. Die Leute von „Olga“ werden dann wieder mit ihren bunten Wägen umziehen müssen. Auch wenn sie mittlerweile viel Verständnis in der Stadtverwaltung bekommen: Ihr Ziel, einen dauerhaften Wagenplatz in München zu etablieren, haben sie immer noch nicht erreicht.

Felix Müller