Zumindest hat Jens jetzt Zeit für Reparaturen an seinem Bauwagen: „Da kommt demnächst frischer Dämmstoff rein“, sagt der 33-Jährige mit kurzen Haaren, Dreitagebart und Kapuzenpulli, während er auf eine brüchige Stelle im Dach deutet. Jens und ein Dutzend Mitstreiter der Initiative „Stattpark OLGA“ leben auf wenigen Quadratmetern, in mit Öfen, Betten und Sofas ausgebauten Bauwagen. Fotos: Sebastian Gabriel

Diese stellten sie Ende Juni ohne Genehmigung auf eine brachliegende Fläche in der Dachauer Straße und luden zu Konzerten, Theater und Kinderprogramm ein – um damit auf ihre Suche nach einem zu mietenden Grundstück für eine neue Wagenburg aufmerksam zu machen. Drei Monate währte das Gastspiel, zum Ende der von der Stadt gesetzten Frist am 30. September zog die bunte Truppe aus Studierenden, Selbstständigen und Handwerkern von dannen. Derzeit sind Jens und sein Mitstreiter Pascal auf einem anderen Wagenplatz im Münchner Osten untergekommen. Der Rest hat seine Wagen am Ackermannbogen in Schwabing geparkt.

„Während der Zeit im Sommer hatten wir viel zu tun“, erinnert sich Pascal: „Veranstaltungen organisieren, Verhandlungen mit der Stadt führen, für Wasser und Strom sorgen, teils neben dem regulären Job.“ Der 22-Jährige wuchs im Münchner Umland auf und verdient sein Geld im Messebau. Vor anderthalb Jahren kaufte er einen Bauwagen und lebte fortan in diesem auf der Straße. „Mir geht es um ein bewusstes, gemeinschaftliches Leben“, meint er.

In der Wagenburgszene helfe man sich stets gegenseitig: „Der eine kann Möbel bauen, der andere weiß, wie man sich ein Solarpaneel zur Stromerzeugung aufs Dach setzt.“ Diesen Gemeinschaftsgedanken wollten sie weitergeben, ergänzt Jens: „Man kann im Wagen leben ohne dass das mit Krawallen oder Verwahrlosung zu tun hat.“

Tatsächlich nahmen die Münchner das Angebot begeistert an, viele kamen zu den Veranstaltungen. „Einmal stand eine schick gekleidete Dame Mitte 60 da und sagte, sie wollte mal auf eine Tasse Kaffee und ein Stück Kuchen vorbeischauen“, schmunzelt Pascal.

Ganz so angetan war man bei der städtischen Verwaltung nicht. „Die Nutzung des Areals war eben nicht genehmigt“, so die Sprecherin des Kommunalreferats Silke Pesik. Um Unterstützung bei der Suche nach einem Ersatzstandort habe man sich aber bemüht, davon zeuge die zehn Zentimeter dicke Akte in der Stadtverwaltung. München könne jedoch nicht aus einem großen Arsenal an verfügbaren Brachen schöpfen wie etwa Berlin. „Selbst wenn ein Gelände im Dornröschenschlaf versunken ist, existieren schon drei Vorschläge für die künftige Nutzung“, so Pesik. Zudem stellten baurechtliche Vorschriften Hürden für derartige alternative Lebensformen dar.

Aufgeben will Stattpark OLGA aber nicht: „In München gäbe es genug Plätze“, ist sich Pascal sicher. Zuletzt hat man der Stadt fünf neue Vorschläge gemacht. Die Sprecherin des Kulturreferats, wo man das Projekt interessiert verfolgt, verspricht zu vermitteln. An diesem Wochenende werden Pascal, Jens und die anderen ihre Wägen erst einmal in Untergiesing aufstellen, wenn auch nur zeitweilig – beim Weihnachtsmarkt auf dem Hans-Mielich-Platz. Den veranstaltet übrigens die Bürgerinitiative „Mehr Platz zum Leben“.

Stattpark OLGA