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Von: Moritz Holfelder
Stand: 20.04.2016

Leben im Wohnwagen
Ein alternatives Wohnprojekt in München

„Stattpark OLGA“ heißt das alternative Wohnprojekt im Münchner Schlachthofviertel. 18 Erwachsene und sechs Kinder leben gemeinsam in ausgebauten Bauwägen oder LKWs, Transportern, Campingwägen und Wohnmobilen. Die Wägen stehen auf einer Brache, die von der Stadt München angemietet wurde. Aber für immer fest auf einem Platz zu bleiben, gehört ohnehin nicht zum Konzept von OLGA.

Demnächst müssen die „Stattparkler“ wieder umziehen, weil auf dem Grundstück in der Tumblingerstraße eine Berufsschule gebaut wird. Moritz Holfelder hat die Bewohner des „Stattpark OLGA“ über ein paar Monate begleitet.

Anders wohnen in München: Der Wagen der Lidls

Er hat ihre Versammlungen besucht, ihren Alltag miterlebt, aber auch mit der Münchner Stadtbaurätin Elisabeth Merk über die Veränderungen traditioneller Familien- und Wohnformen gesprochen. Den Menschen im Wagenpark ist in erster Linie das soziale Leben wichtig, sowohl innerhalb ihrer Gemeinschaft als auch im gesamten Viertel. So veranstalten sie in den warmen Monaten des Jahres einmal wöchentlich das öffentliche „Platzcafé“ mit Lesungen, Konzerten und Filmvorführungen. Daneben gehen sie ganz normalen Berufen nach, arbeiten als Stimmbildnerin, Musiker oder Grafiker.

In der Werkstatt des Möbelschreiners

Gemeinsam wollen sie ein Bewusstsein dafür schaffen, dass auch andere Lebensformen möglich sind – ökonomisch, ökologisch und sozial. Für den Möbelschreiner Christian Drossbach beispielsweise gaben zunächst finanzielle Gründe den Ausschlag, beim Stattpark mitzumachen. Er erinnerte sich an seine Lehrzeit in München, wo das Gros der Einkünfte in die Miete floss. Hier lebt er wesentlich günstiger und findet sogar Platz für seine Werkstatt.

„Peter Lustig fand ich schon als Kind toll, ich wollt‘ schon immer mal in einem Bauwagen wohnen und sagte mir: Das probier‘ ich jetzt aus.“
Christian Drossbach